Skat kennt nicht nur einen Spieltyp – und genau das macht das Spiel so abwechslungsreich. Ob du einen starken Trumpf in der Hand hältst oder komplett ohne stechen willst: Die Spielart, die du ansagst, entscheidet über alles – Ziel, Wertung und Risiko. Hier bekommst du einen klaren Überblick über alle Spielarten nach der Internationalen Skatordnung (ISDO).
Die drei Spielarten im Skat: Farbspiel, Grand und Null
Im Skat gibt es grundsätzlich drei Spielarten: Farbspiele, den Grand und den Null. Alle drei unterscheiden sich in Trumpf, Spielziel und Grundwert – und damit auch in Risiko und möglichem Gewinn. Die Alleinspielerin – also die Person, die ansagt – wählt die Spielart nach ihren Karten.

Farbspiel: Mit Trumpf und Farbe
Ein Farbspiel liegt vor, wenn die Alleinspielerin eine der vier Farben – Kreuz, Pik, Herz oder Karo – als Trumpf bestimmt. Die vier Buben (Kreuz-, Pik-, Herz-, Karo-Bube) sind dabei immer die höchsten Trümpfe, unabhängig von der gewählten Farbe. Das gilt für alle Farbspiele gleichermaßen.
Das Spielziel: Die Alleinspielerin muss mindestens 61 Augen (Kartenpunkte) sammeln. Holt sie weniger, verliert sie das Spiel. Der Grundwert hängt von der Trumpffarbe ab:
- Kreuz: Grundwert 12
- Pik: Grundwert 11
- Herz: Grundwert 10
- Karo: Grundwert 9
Der tatsächliche Spielwert ergibt sich aus Grundwert × Stufenzahl (Spitzen plus weitere Faktoren wie Schneider, Schwarz). Das klingt im ersten Moment komplex – im Spiel ergibt es sich aber schnell aus der Praxis.
Was bedeutet „mit/ohne X Spitzen“ bei einem Farbspiel?
Spitzen zählen die Buben, die du in ununterbrochener Reihe von oben hast oder nicht hast. Hast du den Kreuz-Buben (höchster Bube), den Pik-Buben, aber nicht den Herz-Buben: Du spielst „mit 2″. Fehlt dir der Kreuz-Bube, der Gegner hat ihn: Du spielst „ohne 1″. Die Anzahl der Spitzen bestimmt den Multiplikator für den Spielwert – mindestens wird immer mit 2 multipliziert (eine Spitze + Spiel).
Grand: Nur Buben als Trumpf
Beim Grand gelten ausschließlich die vier Buben als Trumpf – keine Farbe. Alle anderen Karten sind Fehlkarten und können nur mit einem Buben gestochen werden. Das Spielziel bleibt gleich: mindestens 61 Augen. Der Grundwert des Grand beträgt 24.
Weil Buben starke Karten sind und wenige Trümpfe im Spiel, kann der Grand sehr lukrativ sein – aber auch riskant. Eine Hand ohne Buben oder mit nur einem Buben ist als Grand selten sinnvoll.
Warum ist der Grand mehr wert als ein Farbspiel?
Der höhere Grundwert (24 gegenüber 9–12) spiegelt das höhere Risiko wider: Du hast nur vier Trümpfe statt bis zu elf. Das macht den Grand schwerer zu gewinnen, aber auch deutlich wertvoller – besonders mit mehreren Spitzen oder angesagtem Schneider (Gegner holen weniger als 30 Augen).
Null: Kein einziger Stich
Der Null ist eine Sonderform: Es gibt keinen Trumpf, und die Buben sind ganz normale Karten in ihrer jeweiligen Farbe. Das Ziel ist das genaue Gegenteil aller anderen Spiele – die Alleinspielerin darf keinen einzigen Stich machen. Holt sie auch nur einen, verliert sie sofort.
Es gibt mehrere Null-Varianten mit unterschiedlichen Grundwerten:
- Null: Grundwert 23 – die Handkarten sind für die Gegner unsichtbar
- Null Hand: Grundwert 35 – gespielt ohne Aufnahme des Skats
- Null Ouvert: Grundwert 46 – die Karten der Alleinspielerin liegen offen auf dem Tisch
- Null Ouvert Hand: Grundwert 59 – offen und ohne Skat
Beim Null Ouvert legt die Alleinspielerin alle ihre Karten offen hin, bevor das Spiel beginnt. Das klingt riskant – ist es auch. Gleichzeitig können die Gegnerinnen dann gezielt drücken, welche Karten sie ausspielen.

Kann ich beim Null auch den Skat aufnehmen?
Ja – beim einfachen Null und beim Null Ouvert nimmst du den Skat auf und drückst zwei Karten verdeckt ab. Das gibt dir die Möglichkeit, gefährliche Karten loszuwerden (z. B. eine Ass oder einen König, den du nicht stoppen könntest). Beim Null Hand und Null Ouvert Hand verzichtest du auf den Skat – der Grundwert steigt entsprechend.
Hand-Spiele: Skat bleibt unberührt
Jede Spielart – Farbspiel, Grand, Null – kann auch als Handspiel angesagt werden. Das bedeutet: Die Alleinspielerin sieht den Skat nicht an und spielt mit ihren zehn Handkarten. Der Multiplikator erhöht sich dadurch um 1. Bei einem Farbspiel oder Grand steigt außerdem das mögliche Ansagen von Schneider oder Schwarz.
Ramsch: Wenn niemand spielen will
Streng genommen ist der Ramsch keine reguläre Spielart nach der ISDO, sondern eine Hausregel, die in vielen Runden gespielt wird. Er kommt zum Einsatz, wenn alle drei Spielerinnen passen. Beim Ramsch wollen alle möglichst wenige Augen sammeln – wer die meisten hat, verliert. Die genauen Regeln variieren von Runde zu Runde, daher immer vorher klären.
Welche Spielart wähle ich wann?
Die Entscheidung hängt von deinen Karten ab – pauschale Regeln gibt es kaum. Grobe Orientierung:
- Viele Trümpfe einer Farbe + Buben: Farbspiel oder Grand prüfen
- Vier Buben, wenig drumherum: Grand ist naheliegend
- Sehr schwache Hand, keine hohen Karten in den Farben: Null in Betracht ziehen
- Sehr starke Niedrigkarten (2, 3, 4 in allen Farben): Null Ouvert könnte passen
In der Praxis lernt man die Einschätzung am schnellsten durch viele gespielte Runden – Theorie allein reicht hier nicht.

Spielarten richtig lernen – am besten in Gesellschaft
Die Spielarten klingen auf dem Papier erst einmal viel. Nach ein paar Runden sitzen sie. Wenn du in München nach einer Runde suchst, um genau das auszuprobieren: Bei den Skathexen spielen Frauen jeden Dienstag Skat – Anfängerinnen sind willkommen, und es gibt eine monatliche Schulung für alle, die ins Spiel reinkommen wollen.
Fazit
Farbspiel, Grand und Null decken alle Situationen ab, die ein Skatblatt hergibt – von trumpfstark bis trumpflos. Jede Spielart hat ihr eigenes Ziel, ihren eigenen Grundwert und ihr eigenes Risikoprofil. Wer die drei kennt (und weiß, dass Ramsch eine Hausregel ist), hat das Fundament, um jede Skatrunde mitzuspielen. Den Rest übernimmt die Erfahrung am Tisch.